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Nachhaltigkeit und Baubiologie

 Artikel für die Zeitschrift "Kompass", Ausgabe Mai 2007


Nachhaltig ist eine Lebensweise oder Bauweise dann, wenn wir den zukünftigen Generationen zumindest gleich gute Lebensbedingungen hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben.

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Wald beim Filzwanderweg in Tisens

Definition der „Nachhaltigkeit“ aus dem Internet-Lexikon Wikipedia: [ http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit ]
Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wurde 1713 von Hans Carl von Carlowitz geprägt. Er bezeichnet die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann.
[ http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit_%28Forstwirtschaft%29 ]

Nachhaltige Bewirtschaftung in der Forstwirtschaft  bedeutet, die Betreuung von Waldflächen und ihre Nutzung auf eine Weise und in einem Maß, dass sie ihre biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit und Vitalität behalten sowie ihre Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen und dass anderen Ökosystemen kein Schaden zugefügt wird.

Baubiologie ist die Wissenschaft zur Verwirklichung einer gesunden und harmonischen Wohnumwelt. Entscheidend dabei ist, dass durch eine naturgemäße, menschenwürdige Beziehung zur Wohnumwelt ein glückliches, gesundes Leben in innerer und äußerer Harmonie möglich wird.

Die Baubiologie versteht sich a priori als „nachhaltig“, da die gesunde Wohnumwelt sowohl im engen als auch im weiten Sinn verstanden wird: sowohl die Gebäudehülle (die „dritte Haut“), als auch die umgebende Umwelt werden nach ökologischen Aspekten berücksichtigt.

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Das baubiologische Passivhaus von "Natur und Lehm" in Tattendorf

Dabei ist die Baubiologie auch ein wesentlicher Bestandteil moderner Architektur. Modernes Bauen heißt, die jeweils aktuellsten Erkenntnisse so in die Baukultur einfließen lassen, dass  die Bewohner den maximal möglichen Wohnkomfort genießen bei einem vertretbaren ökonomischen Aufwand.
So wie ohne Berücksichtigung der Statik ein Haus einstürzen kann, kann ein Haus ohne der Berücksichtigung der Baubiologie unbewohnbar werden.

Es werden solche Baumaterialien bevorzugt, welche zum Zeitpunkt ihrer Verwendung (Gegenwart) ein gesundes Leben ermöglichen: Holz, Lehm und Kalk sind sicherlich die wichtigsten davon. Weiters werden auch die Vergangenheit und die Zukunft der Materialien betrachtet: entstehen bei der Produktion oder auch bei der Entsorgung der Materialien gesundheitliche oder ökologische Schäden, so werden diese Materialien vermieden.
Dadurch, dass viele gemischte Materialien verwendet werden, ist es wichtig, die Inhaltsstoffe zu kennen, um daraus eine Bewertung abzuleiten. Deshalb fordern die Baubiologen eine Volldeklaration aller im Markt erhältlichen Produkte.

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Bild 1: Dachausbau in Holzbauweise im Pustertal (Architekt Bernhard Oberrauch)

Die Baumaterialien werden am jeweils richtigen Ort eingesetzt: wärmedämmende Materialien in der Außenhülle führen zu energiesparender Bauweise und ermöglichen zugleich maximale thermische Behaglichkeit (z.B. Holzweichfaser, Flachs, Hanf, Zellulose, Kork), wärmespeichernde Materialien im Innenbereich sorgen für ein ausgeglichenes thermisches Klima (z.B. Steine, Lehm, Ziegel), „atmende“ Materialien gleichen Feuchtespitzen aus (z.B. Holz, Lehm, Wolle, Kalk).


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Bild 2: bestmögliche Energieeinsparung- Passivhaus des Wohnbauinstituts in Branzoll – Klimahaus A+ (Architekten Michael Tribus und Bernhard Oberrauch)

Die Bewohner der baubiologischen Häuser erhalten viel Frischluft, entweder über regelmäßige Fensterlüftung oder über Lüftungsanlagen. Die Verbindung zwischen guter Lüftung und guter Wärmedämmung verhindert auch gesundheitsbeeinträchtigende Schimmelbildung. Wärmebrücken sind zu vermeiden.

Auch unsichtbare Qualitäten bestimmen unsere Lebensqualität: elektrische Felder dürfen nicht zu stark werden, um noch verträglich zu bleiben. Nicht alle elektrischen Felder können abgeschirmt werden, sie müssen schon an ihrer Entstehung reduziert werden. Die Bewohner selbst entscheiden sich für stark reduzierte Benützung von Handy, schnurlosen Telefonen und anderen schnurlosen Datenübertragungen. Die Radioaktivität bei Baustoffen und aus dem Boden (Radon) wird durch die Auswahl der Baustoffe selbst, durch Abdichtung zum Boden hin und durch gute Lüftung reduziert..

Zum guten Wohnkomfort gehören Materialien, die unsere Sinne ansprechen und mit ihnen harmonieren. Geruch, Ästhetik, Lebendigkeit, Erleben von Materialkreisläufen, Oberflächenstrukturen und Farben, die Beziehungen zwischen innen und außen und vieles mehr.

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Abb.3: Besonders im Bad sind Oberflächen wichtig, die schnell und viel Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben können. Dazu zählen insbesondere Lehm (hier an der geneigten Decke), unbehandeltes Holz (hier die Wange des Dachfensters) und reiner Kalk (hier die Wände als "stucco lustro" aus Sumpfkalk, Marmormehl und natürlichen Pigmenten). Ausführung: Bernhard Oberrauch.

Eine menschen- und umweltgerechte Gestaltung des näheren und weiteren Umfeldes (Siedlung, Dorf, Stadt, Region) ist geprägt von langsamen und reduziertem motorisierten Individualverkehr, artenreicher Begrünung, reizvoller Ästhetik, spannender Platzgestaltung, kinderfreundlichem Umfeld und von vielen menschlichen Begegnungsmöglichkeiten.

Zusammenfassung:

Ein gutes Gesamtkonzept für unsere Dritte Haut verbindet funktionale Notwendigkeiten mit bauphysikalischen (Vermeidung von Schimmel, Energieeinsparung), baubiologischen (gesunde Baustoffe), ökologischen (Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit), konstruktive und ästhetische. Wohnkomfort ist ein unverzichtbarer Teil eines solchen Gesamtkonzeptes.

Information:
Der Autor:
Arch.Dr. Bernhard Oberrauch ist freischaffender Architekt in Bozen und Vorsitzender des Vereins baubiologie südtirol.
  www.a-bo.net
T +39-0471-1885467, mobil 329 0514476
Bernhard Oberrauch
Schwerpunkte der Tätigkeit sind besonders architektonische Planung von baubiologischen und energiesparenden Gebäuden, Schallmessungen, Beratung und Gutachten zur Lösung von bauphysikalischen Problemen (Schimmel, Feuchte und Schallisolierung), Referent für Vorträge und Seminare.

baubiologie südtirol
I-39100 Bozen, Quireinerstr.20c (c/o manu)
http://www.baubiologie.bz.it

baubiologie südtirol ist eine gemeinnützige und nicht auf Gewinn ausgerichtete Vereinigung zur Vertiefung und Verbreitung der Baubiologie. Mitglieder sind Handwerker, Planer, Baustoffhändler, Berater, Bauwillige und Interessierte in den Bereichen Baubiologie und Ökologie. Weiters propagiert der Verein eine nachhaltige Lebensweise im ganzheitlichen Sinn.

baubiologie südtirol ist ein Forum für Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und Beratung für all jene, die Fragen zum baubiologischen Bauen und Wohnen, zur Verwendung von natürlichen Baustoffen, zur 
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